Freizeit
K800_oldenburg
Zum 100. Geburtstag ein Museum

Unna. 100 Jahre alt wäre der Künstler Ernst Oldenburg am 8. Januar geworden. Zum Geburtstag bekommt Unna ein Museum für seinen berühmtesten Sohn. In der alten Dorfschule am Loerweg in Kessebüren, wo der Maler, Grafiker und Bildhauer die letzten 30 Jahre seines Lebens bis zum 9. Januar 1992 verbrachte, ist das Museum auf Initiative seiner Tochter und der Oldenburg-Gesellschaft eingerichtet worden. Neben Josef Baron, Carlernst Kürten und Wilhelm Buschulte gehörte Ernst Oldenburg zu den wichtigsten Unnaer Künstlern.

Seit Jahren ist die Werkschau im Herzen von Kessebüren allein nach Absprache zu sehen, nunmehr sollen die renovierten Räume mit Atelier – ergänzt durch Dokumente, Videos und Briefe – als Dauerausstellung geöffnet sein. Dazu wurden die Werke neu geordnet, so dass die Arbeitsatmosphäre für die Besucher spürbar ist. Oldenburg, der die Schriftsteller Bertolt Brecht und Gerhard Hauptmann zu seinen Freunden zählte, fand hier in der ländlichen Umgebung des Dorfes die Muße zur kreativen Kraft. Ganz nach seiner Devise: „Ich kann alles, was ich will – aber ich will nur das, was ich kann.“

Ernst Oldenburg wurde am 8. Januar 1914 in Danzig geboren. 1928, im Alter von vierzehn Jahren, wurde er in die Kunstklasse von Prof. Fritz August Pfuhle an der Technischen Hochschule in Danzig aufgenommen. Seine erste Ausstellung hat Oldenburg bereits 1932 in der Kunstkammer von Danzig zusammen mit Werken von Otto Dix. Er lernt Max Pechstein, Carl Hofer und Ernst Ludwig Kirchner kennen. Ab 1936 absolviert er ein Zusatzstudium und arbeitet als Architekt in Berlin. Kontakte zur internationalen Kunstszene in Frankreich und Italien. 1938 heiratet er Stella von Baggehufvudt. 1940 wird Oldenburg zur Marine eingezogen. 1945 flieht er mit der Familie von Danzig nach Stralsund. 1949 kehrt er nach Berlin (Ost) zurück, wo er unter anderem mit Bert Brecht und Anna Seghers in Kontakt tritt. 1954 folgt die fluchtartige Übersiedlung in die Bundesrepublik, wo er in Fissau, Holstein, ansässig wird. Intensive Zuwendung zur Landschaftsmalerei. Erneute Auslandsreisen, vor allem nach Paris. Noch im gleichen Jahr richtet Oldenburg ein Zweitatelier in Marl ein. 1958 folgen Ausstellungen in den USA, in der Schweiz, den Niederlanden und Skandinavien. Weitere Ausstellungen in Hamburg, Bremen, Frankfurt am Main, Essen. 1967 lässt er sich endgültig in Unna-Kessebüren nieder, wo er bis zum Ende seines Lebens in der alten Dorfschule wohnt und arbeitet. Weitere internationale Ausstellungen mit Reisen nach Spanien, Italien, Japan und in die USA. 1988 erleidet der Künstler einen schweren Schlaganfall mit folgender rechtsseitiger Lähmung. Oldenburg arbeitet fortan nur noch mit der linken Hand. Am 9. Januar 1992 stirbt Ernst Oldenburg in Unna.

Allen Schlägen des Schicksals getrotzt

Ernst Oldenburg: Maler, Bildhauer, Zeichner und Grafiker. Ein Künstler, dessen Werk eine Schaffenszeit von sechs Jahrzehnten ausfüllt, stets gegen die Strömung der Zeit, gegen die Tendenzen des Tages. Ein Mensch, der allen Widrigkeiten der Geschichte, allen Schlägen des Schicksals zum Trotz niemals seine Berufung aus den Augen verlor, seine Bestimmung, das menschliche Wesen mit den Mitteln seiner Kunst zu ergründen. Sechs Jahrzehnte eines intensiven Schaffens, ein umfangreiches Werk mit mehr als 1500 Einzelstücken – dennoch ist Ernst Oldenburg nur wenigen Menschen ein Begriff, nur wenige Museen haben ihn bisher entdeckt, und selbst in Fachkreisen wird der Künstler nur selten gewürdigt. Es mag daran liegen, dass sein Werk keiner Schule zuzuordnen ist, keiner vorgegebenen Richtung folgt. Es widersetzt sich einer voreiligen Kategorisierung, und die konsequent figürliche Ausgestaltung seiner Arbeiten steht in offenem Widerspruch zu einflussreichen Richtungen zeitgenössischer Kunst. -conte-

 

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Beitrag abgegeben!
Hinterlasse einen Kommentar