Allgemein
Viel Leid mit den Leit-Boys

Sie nennen sich Leit-Boy, jene orange-weißen Baken, und schreiben sich spätestens seit dem 1. Februar in Unna mit einem fetten  „D“. So manch einer traute am Mittag dieses für Schildaner denkwürdigen Tages nicht so recht seinen Augen und wähnte sich schon zwei Monate und einen Aprilscherz weiter. Erkannte aber auch schnell den Ernst dieses Aktionismus‘, den die Kreissstadt am Südwall betreibt: Der ist nicht nur hochgradig gefährlich für Kinder und Radler, sondern auch arg Existenz gefährdend für anliegende Geschäftsleute.

Besagte „Leid-Boys“ teilen die eh schon eng bemessene Sackgasse am Parkhaus Neumarkt nunmehr in zwei unüberwindliche Teile mit maximal jeweils 2,40 Metern Fahrbahn-Breite. Folge: All‘ die Kinder, die bislang diese Anliegerstraße als sicheren Schulweg zur Katharinen-Schule und zum Freibad Bornekamp nutzen konnten, können sich jetzt als Grundschüler ausrechnen: Ein Mini (Auto) misst 1,94 Meter in der Breite, da ist folglich bei 2,40 Metern Gesamtbreite nicht einmal mehr Platz für den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 1,50 Metern. Das passt einfach nicht! Die andere I-Männchen-Aufgabe: Wie passt ein Rollstuhlfahrer (knapp einen Meter Breite) neben ein Auto (zwei Meter) und einem Sicherheitsabstand von 1,50 Meter auf knapp zweieinhalb Meter? Kurzum: Allesamt werden durch die strikte Fahrbahn-Teilung nunmehr in einen Angst-Tunnel getrieben, der von Betonmauern (Tiefgarage) und Leit-Boys einer- sowie von stabilen Stahlbügeln und besagten Baken andererseits unüberwindlich begrenzt erscheint.

Im Dienste der Ordnung

„reportvorort“ stellte im Praxistest ein normales City-Bike auf den Südwall vor dem „Restaurant Meisterhaus“: Als sich ein Pkw aus der Tiefgaragen-Ausfahrt nähert, sieht das geschulte Auge des städtischen Mitarbeiters im Dienste der Ordnung: Das kann nicht passen. Seine Reaktion: „Stellen Sie mal das Fahrrad hier weg!“ (Bild)

Das Gefahren-Potential des tagtäglichen Anlieferungs-Verkehrs für die beiden anliegenden Restaurants vor allem am Vormittag ist in der Fahrrad freundlichen Kreisstadt noch nicht abschätzbar. Ebenso wenig für das alt-ehrwürdige Meisterhaus, das laut Seniorchef Salvatore Gala ab sofort nicht mehr angeliefert werden kann. Er selbst kann wegen der unerklärlichen Fahrbahn-Teilung aber auch nicht mehr über seinen bislang gewohnten und bewährten Lieferanten-Zugang das Catering ausliefern. So hieß das Tages-Gericht einiger Gäste folglich „Galgenhumor“: „Wer nicht ausliefern kann, braucht auch keine Anlieferung.“

Der älteste und beständigste Gastronom in Unna stellt sich der unerwartet ernsten und für ihn und seine Familie (und Gäste) bedrohlichen Lage nun juristisch. Was das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen nicht besonders wundern sollte: Unna kennt man dort aus anderen Verfahren.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Beitrag abgegeben!
Hinterlasse einen Kommentar