Freizeit
K1600_defi1
Spiel, Satz und Sieg für „Defi“ gegen den Tod

Unna/Schwerte. Auftaktspiel um den traditionellen Mercedes-Cup auf der Anlage des TC Grün-Weiß Unna. Klaus Heiming (60) geht zum Netz, will den Ball aufheben und fällt vor den Augen seiner Frau um. Klinisch tot. Dass er dennoch seinen größten Gegner, den Tod, in diesem Moment hat besiegen können, verdankt der passionierte Tennisspieler dem „Defi“. Diesen Defibrillator hatte der TC Grün-Weiß Unna Monate zuvor trotz knapper Kassen angeschafft.
Rückblende, 24. August 2013, 18.30 Uhr: Im ersten Satz führt Klaus Heiming vom TC Rot-Weiß Schwerte 4:1 und fühlt sich eigentlich topfit. Er geht zum Netz, will den Ball aufheben, fällt um und bleibt liegen. Herzstillstand. Was sich dann auf dem Court abspielt, bezeichnet Turnierleiter Matthias Hartmann als „Super-Krisenmanagement“: Während der Mediziner Dr. Christoph Heider, selbst im Match auf dem Nebenplatz, sofort mit der Herzmassage beginnt und Heimings Frau von Mund zu Mund die Sauerstoff-Versorgung sicher stellt, rufen andere den Notarzt und die Clubhaus-Wirtin holt den „Defi“. Die Stromstöße zeigen Wirkung, knapp zwei Minuten später kommt Heimgang wieder zu sich, die weitere Behandlung übernimmt das Katharinen-Hospital. Eine Operation mit drei Bypässen in Dortmund und die Reha lassen den genesenen 60-Jährigen heute wieder auf dem Platz stehen.
„Alterszucker“, sagt der passionierte Tennisspieler, sei der Grund gewesen für seinen plötzlichen Tod. Der habe die Herz-Kranzgefäße zugesetzt. Eigentlich keine Chance. „Ich bin super dankbar, dass der Defi mein Leben gerettet hat“, sagt der Schwerter, der nicht nur seinem heimischen Club sofort einen Lebensretter spendiert hat, sondern dem TC auch eine Geldspende für die Jugend-Abteilung. Ein willkommenes Dankeschön für Clubchef Dr. Dirk Prünte, der relativiert: „Das schönste Geschenk ist, dass er wieder dabei ist.“ Was er nicht sagt: Der Club allein hätte seinerzeit den „Schock-Geber“ (Kosten: 1200 bis 1900 Euro) allein nicht anschaffen können, Sponsoren wie Mercedes und „z-point“ halfen einmal mehr.
Der TC Grün-Weiß Unna zählte übrigens zu den ersten Tennisvereinen mit einem eigenen Defibrillator und gewann mit dem Westfälischen Tennisverband einen potenten Partner, weil der für alle Tennisvereine besondere Konditionen bei einem Hersteller ausgehandelt hat. Tipp: Oftmals wechseln Firmen ein älteres gegen ein aktuelles Modell und verkaufen den Vorgänger günstig. Funktionsfähig ist ein „Gebrauchter“ allemal, denn wichtig ist nur, dass nach einem Einsatz die Elektroden für den wiederbelebenden Schock erneuert werden. Nicht zu vergessen: „Wir haben einen Defi-Beauftragten im Club, der nach und nach einzelne Spieler der Mannschaften im Umgang mit dem Gerät geschult hat“, sagt Dirk Prünte. Wohlwissend, dass nicht – wie im Sommer – im Notfall auch gleich ein Mediziner auf dem Nebenplatz spielt. Ein Jahr später wird der Mercedes-Cup vom 28. bis zum 31. August zum 12. Mal beim TC Grün-Weiß ausgetragen. Eventuell wieder mit Klaus Heiming: „Wenn überhaupt, dann nur im Doppel.“ Einzel spielt er schon jetzt wieder – allerdings kein kraftraubendes Match mehr. Schließlich hat er den größten und bedeutendsten Wettkampf seines Lebens bereits gewonnen.

Auf dem Bild mit Lebensretter „Defi“ v.l. Matthias Hartmann, Klaus Heiming, Dr. Dirk Prünte, Vereinsmanager Daniel Sawitzki

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Beitrag abgegeben!
Hinterlasse einen Kommentar