Meinung
Protest gegen Leidboys formiert sich

Der Protest gegen „politische Willkür und ordnungsbehördlichen Aktionismus“  am „Restaurant Meisterhaus“ in Unna formiert sich und formuliert deutlich qualitativ wie quantitativ identifizierbar seinen unüberhörbaren Unmut über jene so genannten „Leit(d)boys“, die nicht nur die Straße „Am Südwall“, sondern auch die Geister scheidet.

Überzeugung?

Seit dem 1. Februar stehen sie schier unüberwindbar mitten auf der knapp 100 Meter langen und nicht einmal fünf Meter breiten Straße, diese weiß-orangenen „Leitboys“ und sorgen seither für reichlich Leid und Diskussionsstoff. Es habe, so Ortsvorsteherin (Unna-Oberstadt) Ingrid Kroll in der Presse, viele Beschwerden gegeben, so dass sie für die Installation der Fahrbahnteiler gestimmt habe. „Viele Beschwerden“? Wer und wie viele überhaupt? Darüber ist öffentlich nichts von der SPD-Politikerin zu vernehmen. Ganz anders die vielen Restaurant-Gäste, die mit Namen, Adresse und Unterschrift zu ihrer Überzeugung stehen: „Sinnlose Sperrbaken vor dem Restaurant verhindern sowohl die reibungslose Anlieferung der Ware als auch die Auslieferung des hauseigenen Caterings an die Kunden. Der seit Jahrzehnten „so beliebten „Pizza vom Schalter“ wird seitens der Stadt kurzerhand der Garaus gemacht“, heißt es in Protestlisten. Unterschrieben übrigens auch von so gern zitierten Anliegern, die diese Baken angeblich gewollt hätten.

Überdenken?

Gewollt hat sie neben Kroll unter anderen auch ein Kommunalpolitiker jener im Rat vertretenen Partei, die einst als strahlender Verfechter des Radfahrens stand, sich aber aktuell – mittlerweile in die Jahre gekommen – eher um den ruhenden Verkehr kümmert. Ohne Namen, Wohnort und Unterschrift hört man ihn sagen: „Wenn ich gegenüber in der Kneipe draußen mein Bier trinke, stören mich die PS stark dröhnenden Autos, deren Fahrer im Meisterhaus zu Gast sind.“ Dass diese enge Fahrbahntrennung nicht nur Kinder (Katharinen-Grundschule, EBG, Bornekampbad) in gefährliche Situation bringen könnte, wolle er sich immerhin dann doch noch einmal überlegen. Wohlgemerkt: Nach seinem überzeugten Pro für Sperrbaken.

Überleben?

Zur Erinnerung: Das heutige Meisterhaus ist das ehemalige Ackerbürgerhaus der Familie Kannegießer aus dem 17. Jahrhundert und diente der Gast- und Landwirtschaft mit eigener Brauerei und Brennerei. Nun sage keiner, dass diese Gastwirtschaft seit dem vergangenen Jahrtausend ohne Park- und Halteverbot für Fuhrwerke aller Art Jahrhunderte hat existieren und überleben können. Und ganz nebenbei bemerkt: Ob das historische Fachwerk mit diesen grell auffälligen  Fahrbahn-Teilern direkt vor der Tür überhaupt noch eine Berechtigung hat, Teil des ansonsten lohnenden „historischen Stadtrundgangs“ zu sein, sei nunmehr dahin gestellt. Schließlich gilt für Gäste des Meisterhauses und der Stadt gleichermaßen: Der erste Eindruck hat nun mal keine zweite Chance. Auch nicht, wenn man die Reaktion des CDU-Fraktionsvorsitzenden Rudolf Fröhlich kennt, der erfahrener Polizeibeamter in Unna durchaus als Verkehrsexperte dienlich ist: „Eine schlechte Lösung, schlecht umgesetzt.“

Überbreite?

Kuriosum am Rande: Breite Streu- und erst recht Räumfahrzeuge benötigen allemal mehr Raum als 2,40 Meter pro Richtungsfahrbahn, um die Verkehrssicherheit auf dem Südwall garantieren zu können. Nicht nur für die Gäste des Meisterhauses, sondern auch des Restaurants „Ölkenthurmes“ und vor allem, das sei nicht vergessen, der vielen Nutzer der städtischen Tiefgarage am Neumarkt, in der übrigens der Großteil des Meisterhauses parkt. Schließlich hat dessen Betreiber seinerzeit die vor dem Restaurant fehlenden Parkplätze mit 230.000 DM ausgelöst.

Überregional?

Mittlerweile sorgt das strittige Thema „Leidboys“ auch überregional für Interesse, und das nicht nur bei den Gästen, die der gute Ruf der Meisterhaus-Küche weit über die Stadt hinaus erreicht hat. Unter anderem  die Richter des Verwaltungsgerichtes Gelsenkirchen. Dabei wird es allein um die juristische Bewertung gehen. Der weit gereiste Referent eines bundesweiten Ärztekongresses hat gegenüber „reportvorort“ schon sein juristisch nicht relevantes Urteil gefällt: „Das ist nicht das freundliche und offene Unna, wie ich es einmal kennen gelernt habe. Stadtmarketing der besonderen Art.“

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