Menschen
Kirchenstreit um schwulen Pfarrer

Jörg Uwe Pehle (53), bis April 2015 Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Unna, wird in seiner neuen St. Stephan-Gemeinde im westfälischen Vlotho wegen seiner Homosexualität massiv angegriffen. Nicht von Gläubigen seiner Gemeinde, vielmehr von einem Dutzend Protestanten aus der Nachbargemeinde St. Johannis, die ihm und seinem Mann Thomas König Sünde vorwerfen.

Homophobe Wutbürger

Die Wutbürger aus dem Presbyterium St. Johannis bedienen sich der Bibel und zitieren in ihrer Homophobie das 3. Buch Mose 18,22: „Du sollst nicht bei einem Manne liegen wie bei einer Frau.“ Derweil die Stephan-Presbyter demonstrativ hinter dem Pfarrer aus Unna stehen. Als die schriftlich Meinungen unter anderem in Gemeindebriefen öffentlich wurden, eskalierte der Streit, der alle Lesben und Schwule verletzte. Die Stephanus-Gemeinde erteilte 13 Glaubensbrüdern und –schwestern von St. Johannis kurzerhand Hausverbot und Pfarrer Pehle erwägt eine Strafanzeige. Auf Predigten in der Nachbargemeinde wolle er verzichten, heißt es.

Mit dem Segen der Kirche

Jörg Uwe Pehle „heiratete“ im September 2013 im Rahmen einer Segnungsfeier in der Stadtkirche Unna seinen Lebenspartner Thomas König (Bild). Die Superintendentin des Kirchenkreises Unna, Annette Muhr-Nelson, erklärte seinerzeit, dass es „keine Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften“ geben dürfe: „Es ist nicht lange her, dass gleichgeschlechtlich Liebende in unserer Gesellschaft diskriminiert, ja verfolgt wurden. Tatsächlich gibt es in den Kirchen und Konfessionen der weltweiten Christenheit sehr unterschiedliche Positionen zur Segnung Homosexueller. In der evangelischen Kirche von Westfalen vertreten wir die Auffassung, dass niemand wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden darf.“

Zum Thema aus dem rvo-Archiv: Kirche fehlen die Worte  I  Diskriminierung  I  Viele trauen sich

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