Panorama
Kathastrophe statt Jubiläen

Eigentlich sollte die 25-jährige Erfolgsgeschichte der GWA des Kreises Unna gefeiert werden, ebenso wie der 115. Geburtstag der Feuerwehr in Kamen-Heeren-Werve. Stattdessen hat der Kreis Unna die größte Brandkatastrophe seit Jahrzehnten zu beklagen, die – und das ist die gute Nachricht – keine schwer verletzten Opfer zu beklagen hat, aber dennoch fünf leicht verletzte Feuerwehrmänner und einen Sachschaden in Millionenhöhe. Nach vielen Stunden Einsatz von über 200 Rettungskräften aus dem gesamten Regierungsbezirk Arnsberg – darunter Notärzte, Sanitäter, Polizei und das DRK – ist der Großbrand in Bönen mittlerweile unter Kontrolle. Dazu auch: Großbrand bei der GWA.

Feuer statt Feiern

Begonnen hatte der die so genannte „Großlage“ um kurz nach 9 Uhr, als auf der Anlage der GWA an der Industriestraße in Bönen ein Schwelbrand die Feuerwehr Bönen auf den Plan rief. Wenig später weisen bislang nicht gekannte und weithin sichtbare schwarze Qualmwolken, die bis nach Castop-Rauxel reichten, auf die wahre Katastrophe hin: Von der ersten Wertstoff-Halle, in der geschredderte Verpackungsmaterialien lagerten, hatte der böige Ostwind den Brand auf benachbarte Hallen getragen. Alle zur Verfügung stehenden Kräfte der Feuerwehr aus dem Kreis Unna, später auch die aus den Nachbarstädten wie Dortmund sowie aus Coesfeld und dem Märkischen Kreis, wurden alarmiert. Im Einsatz auch die vielen Ehrenamtlichen aus Bönen, Kamen, Bergkamen, Unna, Fröndenberg, Lünen, Hagen und Soest. Der Verkehr auf der benachbarten A 2 war derart beeinträchtigt, dass die Autobahn in beide Fahrtrichtungen ganz gesperrt werden musste. Im nahen Umkreis wurden die Bewohner alarmiert, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz konnte nach Messungen in Kamen und Bönen später Entwarnung geben.

Die Ursache des Großbrandes, der nach ersten Schätzungen einen Sachschaden in Höhe von mehreren Millionen Euro forderte, wird von Sachverständigen untersucht.

Anmerkung und Meinung

An dieser Stelle ist es der Redaktion von „reportvorort“ wichtig anzumerken: Weit über 200 Rettungskräfte waren im selbstlosen Einsatz, um diese Katastrophe in Grenzen zu halten und noch Schlimmeres zu verhüten. Wenigstens fünf von ihnen wurden dabei verletzt. Diese zumeist ehrenamtlichen Retter und Helfer bekommen nicht einen Cent für ihre so wichtige und gute Arbeit, zahlen selbst die Spritkosten für ihre Anfahrt aus eigener Tasche. Unsere Meinung: Mal einfach darüber nachdenken, wenn einmal mehr über Erhalt von Feuerwehr-Gerätehäusern oder gar über Aufwand entschädigtes Ehrenamt in Verbänden und Politik diskutiert wird.

Hintergrund

Zur Information, wie ein „ganz normaler Tag“ aussehen kann, hier der Tagesbericht der Feuerwehr Dortmund vom 30. Juni 2018: „Ein Großbrand im Kreis Unna und mehrere Brandeinsätze im Stadtgebiet, sowie eine Großlage im Rettungsdienst mussten heute von der Feuerwehr abgearbeitet werden. Gleich nach der Dienstübernahme am Mittag wurde seitens der Bezirksregierung Arnsberg über die Leitstelle Unna um überörtliche Hilfe für einen Großbrand einer Recyclingfirma in Bönen ersucht. Ein Löschzug wurde sofort nach Bönen beordert, mehrere Spezialeinheiten und die Unterstützung mit Atemschutzgeräten folgten. Als Alarmierungsleitstelle für den Regierungsbezirk Arnsberg koordinierte die Einsatzleitstelle Dortmund die angeforderten Einheiten. Später wurde noch das Teleskopmastfahrzeug der Feuerwache Mitte und ein Führungsdienst nach Bönen entsandt, die vermutlich bis zum nächsten Tag dort eingesetzt werden. Stadtgebiet kam es punktuell zu mehreren Flächenbränden. In Huckarde brannten zwei Halden mit Grünschnitt und Mulch, die von Nachmittag bis 22 Uhr bekämpft wurden. Vier ausgelöste private Rauchmelder, drei davon wegen angebranntem Essen auf Elektroherden wurden abgearbeitet. Dabei wurde eine Person wegen Verdacht auf Rauchgasvergiftung einer Klinik zugeführt. Seitens der Einsatzleitstelle wurde für mehrere Stadtteile durch die Warn-App „NINA“ die Bevölkerung angewiesen, Fenster und Türen wegen Verqualmung und Geruchsbelästigung zu schließen. Zum Freiwerden giftiger Brandgase kam es jedoch nicht. In einem Wohnheim für Senioren kam es durch das Verabreichen falscher Medikamente bei fünf Patienten, die dadurch kollabierten, zu einem Großeinsatz für den Rettungsdienst mit zwei Notärzten. Alle Patienten sind in Kliniken zur Beobachtung eingewiesen worden. Desweiteren betreuen Brandsicherheitswachdienste die Veranstaltung „Pokemon GO“. Bis 22:30 Uhr wurden durch die Einsatzleitstelle 400 Einsätze geführt… Insgesamt waren fast alle Einheiten der Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehr Dortmund, sowie der Rettungsdienst den ganzen Tag bis in die Abendstunden in Einsätze involviert.“

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Beitrag abgegeben!
Hinterlasse einen Kommentar