Justiz
Hebammen-Prozess geht weiter

Unna/Dortmund. Der Tötungsprozess gegen die Hebamme aus Unna geht ins dritte Kalenderjahr – und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Vielmehr hat das Schwurgericht drei weitere zu den bereits zwei in diesem Jahr vorgesehenen Termin festgesetzt, so dass vorläufig noch wenigstens bis zum 12. März verhandelt wird. Ob dann allerdings mit einem Urteil zu rechnen ist, muss weiter abgewartet werden.

Greta kam tot im Hotel zur Welt

Rückblende: Am 27. August 2012 beginnt im Saal 132 des Landgerichtes Dortmund vor dem Schwurgericht unter Leitung des Vorsitzenden Richters Wolfgang Meyer der Prozess gegen die seinerzeit 58-jährige Hebamme und Ärztin aus Unna (Bild), die den Tod eines Neugeborenen verantworten soll, das am 30. Juni 2008 in einem Hotel in Unna tot zur Welt kam. Die Anklage wirft der Ärztin und langjährigen Hebamme vor, das neugeborene Mädchen Greta getötet zu haben, weil sie es unterlassen habe, rechtzeitig einen möglicherweise das Leben rettenden Kaiserschnitt veranlasst zu haben. Die Wehen hatten um 5 Uhr in der Früh eingesetzt, Greta kam aus Becken-Endlage nach 17-stündiger Hausgeburt zur Welt. Tot, alle Reanimations-Versuche blieben ohne Erfolg.  Nach Ansicht der Anklage sei es allerdings möglich gewesen, das Kind um 17 Uhr „noch lebend und gesund“ zur Welt zu bringen, selbst um 19 Uhr hätte es mit einem Kaiserschnitt noch überleben können. Die Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen, bestreitet aber über ihre damalige Verteidigerin Andrea Combé jedweden Schuldvorwurf und geht von einem „plötzlichen Kindestod“ aus.

Beharrliches Schweigen und beredter Wechsel

Acht Verhandlungstage waren seinerzeit angesetzt, ein Urteil wurde Ende Oktober 2012 erwartet. Mittlerweile dauert die Beweisaufnahme, die sich wegen des beharrlichen Schweigens der Angeklagten schwierig gestaltet, 37 Verhandlungstage an. 39 sollten es dann werden, drei weitere hat das Schwurgericht jetzt eingeplant, weil die Verteidigung weitere Beweise antreten möchte. Saß zu Beginn des Prozesses noch die bekannte Strafverteidigerin Andrea Combé (Mitte) neben der Angeklagten haben ihre Rechtsanwälte längst gewechselt. Verteidiger ist mittlerweile Prof. Dr. Hans Lilie, Inhaber des Lehrstuhles für Strafrecht, Strafprozessrecht und Medizinrecht an der Uni Halle. Von Beginn an dabei ist Rechtsanwalt Hans Böhme (Heidelberg, Bild rechts), auf der Liste der Verteidiger stehen mittlerweile auch Norbert Hufelschulte (Hamm) und Marc Sendowski (Leipzig).

Interesse hat arg nachgelassen

Arg nachgelassen hat über knapp anderthalb Jahren auch das öffentliche Interesse an dem Verfahren. Selten gesehen zu Beginn die demonstrativen Sympathie-Kundgebungen im August 2012 mit spontanem Applaus und nicht gekannten Beschwörungs-Ritualen, wenn die Angeklagte aufrechten Schrittes den Gerichtsflur betrat. Später immer wieder störende Meinungsäußerungen im voll besetzten Saal des Landgerichtes, die der Vorsitzende Richter nur mit Ordnungsrufen zu unterbinden wusste. Auch einen Rausschmiss gab es: Die Tochter der Angeklagten hatte nach wiederholten Störmanövern den Saal zu verlassen. Heute folgt noch etwa ein knappes Dutzend interessierter Hebammen den Prozess, darunter zwei, die allein die Schriftenreihen ihrer Verbände mit Informationen versorgen.

Die weiteren Termine: 29. Januar, 13. und 28. Februar, 5. und 12. März, jeweils ab 9.30 Uhr im Saal 130 des Landgerichtes.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Beitrag abgegeben!
Hinterlasse einen Kommentar