Menschen
Geht doch: Ehrlich statt Euro !

Gestern und heute, bei allem Fortschritt ist der Grundwert Ehrlichkeit allemal beständiger als jedweder Fortschritt Technik. Wer könnte diese These besser belegen als einmal das wirkliche Leben. Realität zum denkwürdigen 50. Jahrestag des Geldautomaten mit einer verwirrten Hausfrau und einem konsequent aufrichtigen Flüchtling vor einem Geld spendenden Automaten, die gemeinsam wenigsten zwei Klischees widerlegen: 1. Der Automat funktioniert, und 2. Migration funktioniert nicht

Rückblende, 27. Juni 1967: Weltweit wir der erste Geldautomat in London in Betrieb genommen. 50 Jahre später ist das Geld-Abheben nicht minder aufregend, erst recht, wenn man Bares im Automaten vergisst. Für das vollendete Happyend sorgt schließlich ein Mann, geboren in Syrien, geflüchtet vor Krieg und Armut.

Geld vergessen

8:10 Uhr in Bergkamen am Geldautomaten im Kaufland an der Töddinghauser Straße: Eine 55 Jahre alte Frau aus Bergkamen steckt ihr Geldkarte ein, gibt Pin und Höhe der Auszahlung ein, nimmt die Karte wieder an sich… und vergisst völlig in Gedanken ihr Bares im Ausgabefach: 200 Euro. Dieses Missgeschick bemerkt sie allerdings erst, als sie sich wenig später mit ihren Einkäufen bereits an der Kasse des Supermarktes befindet. Da ahnt sie Schlimmes und weiß um die Relität: Sie hat in ihrer Schusseligkeit 200 Euro im Ausgabeschacht des Automaten stecken lassen. Sie eilt zurück. Pech! Dann zur Information, wo die Mitarbeiterin schildert, dass da gerade ein Mann war und mit Geldscheinen gewedelt habe. Verstanden habe aber keiner etwas, weder sie noch er noch andere. Sie habe ihn mit dem Geld zur gegenüber liegenden Sparkasse geschickt. Also auf zur Sparkasse in der Hoffnung, dass der unbekannte Fremde dort das Geld abgegeben Phaben könnte. Wieder Pech! Weiter geht’s zur Polizei nach Kamen. Auch dort kein Geld und deshalb abermals Pech. Was der Frau bleibt: eine Anzeige gegen „Unbekannt“ wegen Unterschlagung ihres vergessenen Geldes, das sie in ihrer Schusseligkeit im Automaten vergessen hat.

Ehrlichen Finder gefunden

„Unbekannt“ ist derweil wenige Kilometer weiter längst gut bekannt – und zwar von seiner besten Seite: 37 Jahre alt, Zuwanderer aus Syrien, der Deutschen Sprache nicht mächtig, mittellos, treffender arm, ohne konkrete Perspektive… Aber von Grund auf ehrlich! Ehrlich in einem Umfeld, das Migranten – mal ganz ehrlich – lieber als Ab- denn als Zuwanderer sieht. Kaum hatte die Frau ihre 200 Euro (Hälfte des Hartz 4 Regelsatzes) am Automaten vergessen (8.10 h) war dieser Mann als ehrlicher Finder mit den Scheinen fuchtelnd zur Kaufland-Info geeilt und dann zur Polizei. Das Protokoll notiert: 8.20 Uhr, zehn Minuten danach. Kaum Zeit zum Luft holen, geschweige „strafrechtlich relevante“ Pläne zu schmieden oder gar klammheimlich und inkognito mit der Kohle zu verschwinden.

Dein & Mein

Dieser Mann ist (siehe oben) spontan und konsequent, geleitet von einer grundehrlichen Überzeugung über „Dein & Mein“ und stellt sich mit diesem fremden Geld Vertretern einer ihm aus eigener Erfahrung im eigenen Land eher suspekten, uniformierten Staatsgewalt. Er wedelt abermals mit diesen, für ihn sehr wertvollen Euro-Scheinen, wohl wissend, dass er sie wenige Momente später verloren haben wird. Die Polizei nimmt eine Fund-Anzeige auf, die rein zufällig mit der Strafanzeige aus Bergkamen korrespondiert. Es findet zusammen, was zusammen gehört: Fund- und Unterschlagungs-Anzeige, Vertrauen und Ehrlichkeit, Alt- und Neubürger, habend und missend…

 

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