Panorama
Fahndung bei Facebook

Kreis Unna. Die aufwändige Vor-Ort-Recherche mit dem Blitzerfoto in der Nachbarschaft des Rasers erübrigt sich immer öfter. Ein Blick ins soziale Netzwerk reicht oftmals, um die Ähnlichkeit mit dem Profilbild ohne Zweifel fest zu stellen. Fahndungserfolg dank Facebook. „Nicht aber bei der Polizei“, so Mediensprecherin Vera Howanietz: „Es gibt keine Genehmigung vom Land. Datenproblematik.“

Anders in anderen Bundesländern und anderen Behörden in NRW. Nach geltendem Schuldprinzip muss bei Geschwindigkeits-Übertretungen nicht der Fahrzeughalter, sondern ganz konkret der Fahrer bestraft werden. Behauptet dieser, dass er den Fahrer nicht kennt, muss der Verkehrssünder ermittelt werden. Pech für ihn, wenn das auf dem Blitzerfoto erkennbare Gesicht unter den Facebook-Freunden des Fahrzeugeigentümers gelistet ist. Da wird auch schon mal in den sozialen Netzwerken nachgeschaut, um auf die richtige Fährte zu kommen. Auch wenn der Beweis vor Gericht nicht taugt, so kann auf der Suche nach dem Temposünder der Hinweis aus dem Netz doch von entscheidender Bedeutung sein.

Bei der Polizei in Hamm heißt es gar, dass man aktuell an einem Fall arbeite, bei dem Facebook-Einträge zum Erfolg führen könnten. Bislang habe man allerdings noch keinen konkreten Fahndungserfolg verzeichnen können.

Vor dem Amtsgericht Düsseldorf scheiterte man mit der Facebook-Fahndung. Die Halterin eines geblitzten Fahrzeugs hatte angegeben, ihren Wagen nicht gefahren zu haben und lehnte es ab, das Knöllchen zu zahlen. Daraufhin durchkämmte das Ordnungsamt zunächst ihren Facebook-Account und, als es dort nicht fündig wurde, auch den ihres Sohnes. Bei einem Bildvergleich entdeckte das Ordnungsamt dort das Bild einer Freundin, die der Raserin ähnlich sieht, und sendete ihr das Bild samt Bußgeldbescheid. Doch auch diese Frau gab an, den Wagen zum fraglichen Zeitpunkt nicht gefahren zu haben. Die Richter befanden, dass die Identität nicht zweifelsfrei zu klären sei, ließ aber grundsätzliche die Frage offen, ob das Ordnungsamt auf privaten Facebook-Seiten auf Jagd nach Verkehrssündern gehen darf.

Zum Thema: www1.wdr.de/fernsehen/aks/themen/facebookfahndung106.html

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