Justiz
Babies verhungert und verdurstet

Was die Anklage nüchtern „Verletzung der Fürsorgepflicht, Aussetzung und Körperverletzung“ nennt, und der Volksmund unter „Rabenmutter“ versteht, ist schlussendlich der chancenlose Überlebenskampf zweier hilfloser Babies, die gerade einmal einen und fünf Monate alt wurden, weil sie von ihrer Mutter grob vernachlässigt wurden, während sie ihre Freizeit genoss. Jetzt muss sich die 35-jährige Mutter aus Bergkamen vor dem Dortmunder Schwurgericht verantworten.

Die 36-Jährige war bereits vor dem Amtsgericht Lünen angeklagt, das den Fall wegen seiner Schwere allerdings an das Schwurgericht weitergab. Schließlich soll die Frau ihre beiden Säuglinge „in 65 Fällen“ verletzt und ausgesetzt haben. Sie soll, so die Anklage, ihre am 1. 11. 2010 und am 24. 3. 2012 geborenen Kinder bereits jeweils kurz nach der Geburt in insgesamt 65 Fällen über mehr als sechs 6 Stunden alleine in der Wohnung gelassen haben, „um ihrer Arbeit oder Freizeitaktivitäten nachzugehen“. Währenddessen sollen die Kinder, so die Staatsanwaltschaft weiter, „nicht mit Nahrung oder Flüssigkeit versorgt gewesen sein, obwohl der Angeklagten bewusst gewesen sein soll, dass die Neugeborenen mindestens alle vier Stunden Nahrung benötigt haben sollen.“ Kurzum: Die Kinder sollen an Hunger, Durst und Angstzuständen gelitten haben und sind letztlich im April 2011 und 2012 verstorben.

Bereits am Amtsgericht Lünen erging der Hinweis, dass bei der Leidensgeschichte der beiden Säuglinge auch Tötungsdelikte im Raume stünden, daher wurde die Sache an das LG Dortmund verwiesen. Das Schwurgericht hat bereits den Hinweis erteilt, dass im Falle einer Verurteilung auch Körperverletzung mit Todesfolge oder Totschlag jeweils durch Unterlassen in Betracht kommen kann. Zunächst sind acht Verhandlungstage terminiert.

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